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Kunst und Eiszeit auf dem Felsen

Platt und Umgebung ( 1.140 m)

Hoch auf einem felsigen Hügel bestimmt die weitum sichtbare Pfarrkirche von Platt harmonisch das Ortsbild der umliegenden Häuser. Bereits gegen Ende des 12. Jh. wurde eine, der hl. Ursula geweihte, Kapelle erbaut. Im Jahr 1465 wurde auf dem „mons sanctus“ (dem „heiligen Bühel“) schließlich ein neues Gotteshaus mit drei Altären eingeweiht.
Zum einschneidenden Ereignis wurde jedoch ein großer Brand im Sommer 1863, als infolge eines Blitzschlages beträchtlicher Schaden am Gebäude verursacht wurde und von der Kirchenausstattung nur mehr wenig übrig blieb. Die Dorfbewohner ließen sich nicht entmutigen und bereits zwei Jahre später fand die Einweihung eines neuen Gotteshauses statt, das vorwiegend im neuromanischen Stil entstand. Etwa ab den Vierzigerjahren des 19. Jh. deutete sich in der sakralen Kunst eine Stilwende an, die von der Romantik getragen wurde. Dies führte zu einer Rückkehr zur Kunst vergangener Jahrhunderte, vor allem zur Romanik und zur Gotik. Diese als Historismus bezeichnete Richtung hielt sich in Tirol bis in die Zwanzigerjahre des 20. Jh. Ein weiteres Beispiel neuromanischer Kunst stellt die Herz-Jesu-Kapelle am Sandhof in St. Leonhard (erbaut 1883/84) dar.
Der imposante Hochaltar der Pfarrkirche von Platt und die beiden schlichteren Seitenaltäre wurden nach Zeichnungen des bedeutenden Innsbrucker Künstlers Michael Stolz (1820 - 1890) gebaut, das Altarbild hingegen stammt vom Schweizer Künstler Melchior Paul von Deschwanden (1811 - 81) aus dem Jahr 1865. Als Bildvorlage diente ein Gemälde der Sixtinischen Madonna von Raffael. Der Altar zählt zu den frühen Altären im Übergangsstil vom Barock/Klassizismus hin zur Neugotik.
Auch die barocke, lokale Passeirer Kunstschule ist vertreten. Am linken Seitenaltar befindet sich ein Gemälde von Nikolaus Auer d. Ä. (1690 - 1753), das den „Tod des hl. Benedikt“ (1721) darstellt. Ihm wird auch das Gemälde am rechten Seitenaltar zugeschrieben (Madonna mit Kind und fünf weiblichen Heiligen).
Die Ausstattung der Kirche wird durch die bunten Glasfenster und die ornamentale Rankenmalerei harmonisch abgerundet und vereint sich gelungen mit der Architektur des Gotteshauses.
In Platt bietet sich eine kurze Wanderung zu einer sog. „Gletschermühle“ an, einem verspielten Naturwunder aus der Eiszeit, das sich in den dunklen Waldhängen unterhalb des Dorfes versteckt. Gletschermühlen entstehen, wenn verschiedene Faktoren stimmig aufeinander treffen, wobei Eismassen, Wasser, Druck und Steine eine schraubenförmige Vertiefung in den Felsen „hineinmahlen“.
In diesen nur sehr schwer zugänglichen und abschüssigen Waldlagen sind noch weitere Gletschermühlen in unterschiedlichen Größen ausfindig gemacht worden, doch öffentlich zugänglich ist nur diese eine.
Die Wanderung kann zur abgelegenen Andachtskapelle „Sattele“ fortgesetzt werden. Nach einem kurzen Anstieg lichtet sich das Gelände und gibt den Blick auf weitere auffällige Spuren aus der Eiszeit frei. Sanft abgerundete Felsrücken, die von Gletschern abgeschliffen wurden, prägen diese besondere Landschaft unterhalb des Dorfes und jenen Felshügel, auf dem die Platter Dorfkirche erbaut worden ist.
Stieber Wasserfall
Die Wanderung zu den Gletschermühlen lässt sich mit dem Naturdenkmal „Stieber Wasserfall“ verbinden, an dem der Pfelderer Bach mit einer wuchtigen Wasserflut in die Passer mündet. Die Kaskade stürzt rund 37 m durch die enge Schlucht herunter. Vom stäubenden Wasser rührt der umgangssprachliche Name „Stieber“ her.
Der Chronist Beda Weber äußerte sich 1852 sehr beeindruckt von diesem Monument und brachte sein Bedauern zum Ausdruck, dass es keine Möglichkeit gäbe, „das schönste Wasserspiel von ganz Passeier“ aus nächster Nähe beobachten zu können. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts legte der Deutsch-Österreichische Alpenverein eine Weganlage mit zwei Brücken und Aussichtskanzeln an, die einen leichten Zugang zum Wasserfall ermöglichten. Jedoch nach dem Straßenbau im Jahr 1932 hatte die Weganlage allmählich ausgedient, die beiden Brücken verfielen und von jenen Aussichtskanzeln ist heute ebenfalls nichts mehr vorhanden. Die Südtiroler Landesregierung hat den Wasserfall unter Schutz gestellt und heute führt wieder ein Weg dicht an der Kaskade vorbei.
Platter Liederhandschrift
Ein Meraner Heimatforscher machte 1901 eine ungewöhnliche Entdeckung: Auf einem Hof in Tassach oberhalb von Platt fand er eine Notenschrift, die um 1780 in Platt entstanden war. Die zweibändige Handschrift ist für einen Organisten bestimmt und umfasst 407 Liedtexte für liturgische Zwecke sowie Noten für Tänze, Menuette und Hochzeiten. Eine Kopie der umfangreichen Liedersammlung befindet sich im Ferdinandeum in Innsbruck.

Wegbeschreibung: Von Platt (1.140 m) auf der asphaltierten Straße in Richtung Breiteben (Nr. 6) bis zur Kapelle (ca. 10 min.). Dort links zur Gletschermühle (Nr. 5) hinunter. Zurück hinauf bis zur Abzweigung und dem gut markierten Weg zum „Sattele“ und Bad Sand folgen.
Rückweg: Ab Bad Sand der Markierung „Platt-Stieber-Wasserfall-Weg“ folgen, am Haus an der ersten Kehre links abzweigen. Ab Bad Sand fährt auch der Linienbus bis Platt.

von: Astrid Rinner

Ausgangsort: Platt

Gehzeit: Insgesamt 1 - 1 ½ Stunden

Höhenunterschied: 124 m

Schwierigkeit: Leicht, einige kurze Steigungen

Jahreszeit: Im Winter nicht geeignet

Extras: Einkehrmöglichkeiten: in Platt
Tipp: Folgt man in Bad Sand der Hauptstraße in Richtung Moos, gelangt man in wenigen Minuten zum Naturdenkmal „Stieber Wasserfall“.
Literaturtipp: Pfarrei Platt (Hg.): 300 Jahre Seelsorge Platt in Passeier 1711 - 2011 (2011); Rinner, Arnold: Natur.Vielfalt.Hinterpasseier (2010)

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