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Himmlische Farben und heilige Motive

Passeirer Kunstschule (597 m)

Das „Malerhaus“ in St. Martin deutet bereits mit seiner pittoresken Fassadenmalerei darauf hin, dass hier einst eine Gruppe von Künstlern arbeitete, die sich als barocke „Passeirer Malerschule“ (Kunstschule) einen Namen machte. In dieser Werkstätte schufen Maler und Bildhauer in der Zeit von 1719 - 1845 eine reiche Palette an Arbeiten. Einige von ihnen schafften auch den Aufstieg in renommierte Künstlerkreise außerhalb des Tales.
Der sich verändernde Kunststil des 18. Jh. brachte es mit sich, dass viele gotische Kirchen dem neuen Stil des Barock angepasst wurden, wodurch diese lokale Werkstatt auch viele Aufträge im Tal für die Neugestaltung der sakralen Räume erhielt.
Die grundlegende Idee für diese ländliche Werkstätte hatte der Mooser Kurat Michael Winnebacher (1656 - 1742). Als schöngeistiger Kunstmäzen, der selbst literarisch tätig war, förderte er den begabten Bildhauer Johann Pichler aus Moos und bot schließlich dem Meraner Maler Nikolaus Auer d. Ä (1690 - 1753) und dem Nordtiroler Bildhauer Anton Ferner (ca. 1703 - 88) sein Elternhaus „Mairhof am Anger“ in St. Martin an, um dort eine Ausbildungsstätte für angehende Künstler aufzubauen. Der Maler und dessen drei Söhne Josef, Benedikt d. Ä. und Nikolaus d. J. wurden zu wichtigen Vertretern dieser Werkstatt.
Zu den besonders talentierten Malern, die ihre künstlerische Karriere in St. Martin begannen und den Meister schließlich bei weitem übertrafen, zählte Josef Haller (1737 - 73). Er wurde zu einem der anerkanntesten Rokoko-Maler Tirols, der sein ganzes Können in den temperamentvollen und farbenfrohen Kuppelfresken für die Ridnauner Pfarrkirche und in Neustift im Stubaital zeigt. Im Passeiertal selbst sind nur wenige Werke von ihm zu finden, u.a. die dramatische Darstellung der Pietà in Pfelders (um 1760). Die großformatige, vierteilige Kulisse des „Heiligen Grabes“ für die Pfarrkirche Moos (1773) blieb unvollendet.
Von ebenso großer Bedeutung ist Johann Evangelist Holzer (1709 - 40) aus Burgeis, der im süddeutschen Raum (Augsburger Rokoko) eindrucksvolle Fresken schuf und dabei das Spiel von Licht und Schatten ganz meisterhaft beherrschte. Der Werkstatt gehörten nicht nur Maler, sondern auch mehrere Bildhauer an, so Nikolaus Scheiring (1735 - 1819) und Anton Ferner, dessen vollendeter Formenschatz an einigen Altären abzulesen ist.
Einer seiner Schüler war Johann Perger (1729 - 74), der als der bedeutendste Südtiroler Bildhauer zwischen Spätbarock und Klassizismus gilt. Er fertigte kleine, ausdrucksstarke Figuren aus Holz und Elfenbein für seine adeligen Kunden an.
Ein Beispiel für die Kunst Anton Ferners ist der monumentale Hochaltar in der Pfarrkirche St. Martin (1764) sowie die reich gestalteten Architekturteile am Herz-Jesu-Altar im Seitenschiff,
die er gemeinsam mit Nikolaus Scheiring schuf. Dieser Altar erinnert noch an die einstige Tradition als Wallfahrtsort und wurde 1771, im beginnenden Rokoko, angefertigt.
Ein Blickfang in der Friedhofskapelle St. Martin ist der Renaissancealtar von 1635, in dessen Altarnische Christus an der Geißelsäule dargestellt ist. Die Skulptur stammt ebenso aus der Hand von Anton Ferner.
Die Maler haben ihr Können aber nicht nur an sakralen Gebäuden im Tal unter Beweis gestellt, sondern auch an profanen Hausfassaden im Dorf von St. Martin. Nicht weit von der Kirche ragt der romantische Erker am Turmhaus an der Dorfgasse hervor. Die Wandfresken werden Joseph Haller zugeschrieben (um 1760/70) und sie stellen die Mutter der Schönen Liebe und Heilige dar, Rocaillerahmungen bringen Bewegung hinein. Von einem Schüler Josef Hallers dürften die spätbarocken Wandmalereien an den Fassaden des „Hohen Hauses“ (Spital) sein. Den Namen verdankt das Gebäude seiner stattlichen Höhe, die in früheren Zeiten alle umliegenden Bauten übertraf. Einst war es das Armen- und Versorgungshaus; die Darstellung des Sensenmannes und die Inschrift in der Kartusche erinnern an dessen ständige Anwesenheit in diesem Gebäude. Der Auftraggeber oder Künstler hat sich mit den Initialen „G H“ und der Jahreszahl „1794“ verewigt.
Überhaupt lohnt es sich, den traditionellen Dorfkern von St. Martin aufmerksam zu durchwandern, denn dort haben sich an der Straße eng aufgefädelte, mittelalterliche Bauwerke erhalten, die teilweise bis in das späte 13. Jh. zurückreichen.
Mitterwirt (Gasthaus Lamm)
In der Stube des bereits seit dem 17. Jh. urkundlich dokumentierten Mitterwirtes soll Andreas Hofer im Jahr 1800 die legendäre Wette abgeschlossen haben, wer denn innerhalb des Jahres wohl den schönsten Bart habe. Hofer gewann die Wette und das prächtige Ergebnis ist schließlich zu seinem Markenzeichen geworden! Eine andere Geschichte ist in denselben Räumen geschrieben worden, als zwischen 1807 und 1809 bayerische Behörden während des Tiroler Volksaufstandes Verhöre durchführten. Das Wappen Frankreichs an der Außenfassade erinnert noch daran.

Wegbeschreibung: An der Dorfstraße von St. Martin (597 m) zweigt der Malerweg zum „Malerhaus“ ab, das man gleich nach einer kurzen Steigung erreicht. Zurück zur Pfarrkirche und zur Friedhofskapelle, der Dorfstraße folgend, weiter bis zum Turmhaus und zum Hohen Haus.

von: Astrid Rinner

Ausgangsort: St. Martin

Extras: Einkehrmöglichkeiten: in St. Martin
Tipp: Die Dorfbesichtigung könnte gleich mit dem Rundweg (Steinmetze und ihre Kunst) verbunden werden. Alternativ dazu bietet sich auch eine Wanderung zum nahen Kalmtaler Wasserfall an. Dabei wandert man am linken Passerufer (Weg Nr. 30) talauswärts bis zur Abzweigung „Kalmtaler Wasserfall“. Nach kurzem Anstieg die Hauptstraße überqueren und der Markierung bis zum erfrischenden Wasserfall folgen; von St. Martin in ca. ½ Stunde erreichbar.
Literaturtipp: Laimer, Martin; Mittermair Martin: Architektur + Kunst. St. Martin in Passeier 12. bis 20. Jahrhundert (2007)

Wanderung auf die Merkliste

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