Merkliste: 0
Login

Passwort vergessen?

E-Mail mit den Anweiseungen anfordern;
Abschicken

Zurück zu Login 

Suche ...

Kategorie:

Ortschaft:

Startseite Urlaubsplaner Die neue Ortstaxe
>

Stolzer Held und stille Witwe

MuseumPasseier – Andreas Hofer (688 m)

„Liebstes Weib!
ich hoffe mit der Hilfe Gottes, Dich wiederum zu sehen und ist es nicht, so ergebe ich mich gänzlich in den Willen Gottes; ich habe als ein ehrlicher Mann in allen Stücken gehandelt und folglich fürchte ich nichts. Bitte also alle, daß Gott mich und Euch alle unterstütze; Ich küsse dich und meine lieben Kinder und bleibe immer Dein Andreas Hofer.“

Brief von Andreas Hofer an seine Frau Anna Ladurner, geschrieben am 30. Jänner 1810 in Neumarkt.

Das Militärgericht der Armèe d’Italie brauchte nicht lange, um das Todesurteil über Andreas Hofer zu fällen, das am 20. Februar 1810 in Mantua vollstreckt wurde. Napoleon höchstpersönlich hatte den Befehl dazu erlassen. Der Angeklagte, der „gewesene Wirth, Anführer der Tirolesischen Insurgenten“ im Jahr 1809, wurde wegen Hochverrats und Rebellion schuldig gesprochen.
Anna Ladurner, seit 1789 mit dem Sandwirt verheiratet, war fünfundvierzig, als sie Witwe wurde. Doch das bittere Ende war nur einer der vielen Rückschläge, die sie in ihrem Leben hatte verkraften müssen. Neben sieben Geburten und dem mühsamen Erhalt des Sandhofes musste sie sich bald daran gewöhnen, dass ihr Mann als geselliger Wein- und Viehhändler häufig außer Haus war. Auch die politischen Tagesgeschäfte des Schützenhauptmannes verlangten seinen vollen Einsatz, erst recht nach 1805, als Tirol von Österreich abgetrennt und Bayern zugeschlagen wurde. Dies sorgte in den folgenden Jahren für gehörigen Unmut unter den Tirolern. 1809 nahmen die Dinge ihren Lauf und Andreas Hofer wurde zum rebellischen Kämpfer für die Befreiung Tirols und gegen die bedrohlich näher rückenden Truppen Napoleons.
Nach der dritten Schlacht am Berg Isel nahm der Oberkommandant in der Innsbrucker Hofburg den Regentensessel ein. Die Tage des Triumphes waren jedoch kurz. Die große Geschichte wurde anderswo geschrieben. Das österreichische Kaiserhaus ließ Tirol fallen und im November 1809 war die Sache endgültig für Hofer verloren. Was blieb, war nur mehr die Flucht. Auch für Anna folgte ein dramatisches Versteckspiel, das schließlich mit der bestürzenden Verhaftung auf der Pfandler Alm und Andreas Hofers Hinrichtung endete.
Die Witwe hatte wenig Zeit zum Trauern, denn der Sandhof war arg verschuldet und heruntergekommen. Aber sie blieb dort mit den Töchtern, nicht zuletzt auch „um die Ehre ihres Mannes zu retten“ und sie starb verbittert im Jahr 1836.
Ihr Mann hingegen wurde im Laufe der Zeit ein vielfach verklärter und vielseitig verwendbarer Held, der je nach Anliegen in alle politischen Richtungen gebogen werden konnte. Die vielschichtige Dauerausstellung „Helden & Hofer“ im MuseumPasseier beschäftigt sich mit seinem Werdegang vom Viehhändler zum Volkshelden und sie hat sich zur verdienstvollen Aufgabe gemacht, Andreas Hofer von seinem „antiquierten Sockel, auf dem er lange gestanden hat“, herunterzuholen und ihn in ein neues Licht zu rücken. In Ergänzung dazu widmet sich die Ausstellung „Helden & Wir“ der (Schein)Welt von Helden, Stars und Vorbildern. Die BesucherInnen erwarten neue Betrachtungsweisen anhand einer ungewöhnlichen Installation mit sechs großen Lichtkegeln.
Zum Museum gehört zudem ein Freilichtbereich mit zahlreichen Originalgebäuden des Tales, welche anschaulich die Lebensweise auf den Bergbauernhöfen vermitteln. Mit „Tol & Leit“, also mit „Tal und Leuten“, beschäftigt sich zudem auch die umfangreiche Volkskunde-Sammlung des Museums, die zukünftig (ab 2015) in den Gebäuden des Freilichtbereichs präsentiert wird. Das Museum zeigt in Abständen immer wieder Sonderausstellungen zu verschiedenen Themen.
Zu besichtigen sind überdies auch die Herz-Jesu-Kapelle (neuromanisch, erbaut 1883/84 nach einem Entwurf von Josef Vonstadl und 1899 eröffnet) sowie die Heilig-Grab-Kapelle von Kaspar Hofer, einem Vorfahren Andreas Hofers, der diese nach der Rückkehr von einer Pilgerfahrt in das Heilige Land 1698 erbauen ließ.
Zur weiteren Vertiefung der Geschichte um Andreas Hofer bietet sich auch der Besuch des Franzosenfriedhofes in St. Leonhard und der Pfandler Alm oberhalb von St. Martin an, zwei Außenstellen des MuseumPasseier.

Wegbeschreibung: Am unteren Dorfende von St. Leonhard (660 m) führt der „Andreas-Hofer-Rundweg“ zum MuseumPasseier am Sandhof hinaus. Auf demselben Weg zurück nach St. Leonhard oder dem Rundweg weiter entlang wandern. Zunächst kurz der Hauptstraße talauswärts folgen, am Gerlosweg links hinauf und zurück nach St. Leonhard (der Weg führt am Schildhof Happerg vorbei). Am Sandhof hält auch der Linienbus.

von: Astrid Rinner

Ausgangsort: St. Leonhard

Gehzeit: ½ Stunde von St. Leonhard zum Sandhof, Rundweg insgesamt ca. 1 Stunde

Höhenunterschied: 90 m

Schwierigkeit: Leicht; solange schneefrei

Jahreszeit: Ganzjährig möglich

Extras: Einkehrmöglichkeiten: Gasthaus Sandwirt; in St. Leonhard
Info: MuseumPasseier: geöffnet von Mitte März bis 31. Oktober, 10 bis 18 Uhr. Montag Ruhetag. Ostermontag, Pfingstmontag, Allerheiligen geöffnet. August und September täglich geöffnet, auch montags. Führung ohne Voranmeldung um 16 Uhr. www.museum.passeier.it
Telefon 0473 659 086
Literaturtipp: Rohrer, Josef: Helden & Hofer (2009); Graf, Werner: Andreas Hofer und die Passeirer 1809 (2009)

Wanderung auf die Merkliste

Startseite          Impressum