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Historisches Drama am Ende der Welt

Kummersee in Rabenstein (1.007 m)

„Der erste dieser Seeausbrüche geschah im Herbste am St.-Moritz-Tage 1419 so plötzlich und unerwartet, dass dabei viele Menschen das Leben verloren. Das Spital und ein großer Theil der Stadt Meran wurde zerstört“, hält Beda Weber im Jahr 1852 in seiner umfassenden Chronik über das Passeiertal fest. Aber es sollte nicht bei diesem einen Ausbruch jenes Sees bleiben, der sich von 1401 bis 1774 südlich von Rabenstein im hinteren Passeier ausgedehnt hatte. Insgesamt acht Mal hat das Wasser seine zerstörerische Kraft freigesetzt und damit hat sich dieses historische Kuriosum den berechtigten Namen „Kummersee“ eingeholt. Hervorgerufen durch den Abbruch eines Teils des Gspellerberges wurde das Tal aufgefüllt und der Weg der Passer abgesperrt. Es konnte sich ein See bilden, auf dem man „bei Wind und Wetter nicht ohne Lebensgefahr (?) schiffen konnte“. Die Ausmaße des Sees waren beträchtlich, er hatte eine Länge von bis zu zwei Kilometern und eine Breite von bis zu 400 Metern. Das Wasser stand etwa 40 Meter hoch im Gelände, wie sich heute an den symbolischen Wellen, die an der Straßenkehre angebracht sind, sehr eindrucksvoll ablesen lässt.
Allerdings hat der See nicht nur für Kummer gesorgt, sondern im Gegenteil auch für einträgliche Geschäfte, dank der reichen Fischbestände, die in den Gewässern üppig gediehen und „der großen Herren Speis“ wurden.
Im Oktober 1774 brach der Damm beim Versuch, Wasser abzulassen und zum letzten Mal wälzten sich die Fluten durch das Tal bis nach Meran. Somit hat der See auf seine Art die historische Entwicklung des Passeier und nicht zuletzt auch jene der Stadt Meran ganz entscheidend beeinflusst.
Die Geschichte der verheerenden Ausbrüche, aber auch naturkundliche und kulturhistorische Besonderheiten werden am „Kummersee-Rundweg“ an acht Infostationen veranschaulicht. Sie sind entlang des einstigen Sees angelegt und führen nach Rabenstein. Dieses abgeschiedene Bergdorf hatte sich nicht nur einst mit dem See abzufinden, sondern seit jeher auch mit der großen Gefahr von Schneelawinen. Sterbebücher, Grabkreuze, Bildstöcke, aber auch die Erinnerungen heutiger Einwohner lassen erahnen, wie viele Menschen hier unter dem Schnee begraben worden sind.
Auch die Dorfkirche blieb nicht verschont und 1811 drang die Lawine bis zum Hochaltar vor. Noch schlimmer traf es das Gotteshaus dann 77 Jahre später, als die Lawine Dach und Gewölbe eindrückte und den Innenraum mit Schnee und Geröll füllte. So verwundert es auch nicht, dass in Rabenstein lokale Feiertage eingehalten werden, an denen um Verschonung vor der weißen Naturgewalt gebeten wird.
Aber in den Sommermonaten ist die bedrohliche Gefahr gebannt: Rabenstein zeigt sich von seiner allerbesten Seite und lädt zu einer Entdeckungstour entlang des einstigen Sees ein! Joseph Ennemoser (1787 - 1854)
In Rabenstein wurde eine der bedeutendsten Passeirer Persönlichkeiten geboren. Der Arzt und medizinisch-philosophische Schriftsteller Joseph Ennemoser hat mit seinen zahlreichen Publikationen große Bedeutung erlangt. Begonnen hat seine Karriere als Geheimschreiber Andreas Hofers im Jahr 1809, Studien haben ihn schließlich nach Erlangen, Wien und Berlin gebracht. Ab 1813 führte er im Lützowschen Freikorps, einem Freiwilligenverband der preußischen Armee, eine Tiroler Schützenabteilung an. Der weitgereiste und aufgeschlossene Arzt wurde Professor der Medizin in Bonn und hat sich auf seinen weiteren Lebensstationen in Innsbruck und München einen großen Ruf erworben.
Literaturtipp: Siegfried de Rachewiltz (Hg): Joseph Ennemoser. Leben und Werk des Freiheitskämpfers, Mediziners und Magnetiseurs, 1787 - 1854 (2010)

Wegbeschreibung: Ab dem Bunker Mooseum am Dorfrand von Moos (1.007 m) dem E5 bzw. dem Kummersee-Rundweg Nr. 43 folgen. An der Passer entlang taleinwärts in etwa 1 ½ Stunden bis zum Talbecken unterhalb von Rabenstein wandern. Der Weg führt links zum verfallenen „Seehof“ weiter. Da der Rundweg derzeit (Stand Herbst 2013) nicht in seiner Gesamtlänge begehbar ist, empfiehlt es sich, vom „Seehof“ wieder das kurze Stück bis zur Straße, die nach Rabenstein führt, zurückzuwandern und von dort dem Kummersee-Rundweg (in entgegengesetzter Richtung) taleinwärts bis zum Rabensteiner Dorf (1.410 m) zu folgen. Unterwegs sind Infotafeln angebracht. Auf dem selben Weg zurück nach Moos.

von: Astrid Rinner

Ausgangsort: Moos

Gehzeit: Insgesamt 2 ½ Stunden. 1 Stunde für den Teilabschnitt von Rabenstein bis zum Seehof und zurück.

Höhenunterschied: 403 m

Schwierigkeit: Leicht

Jahreszeit: Im Winter nicht geeignet

Extras: Einkehrmöglichkeit: in Rabenstein
Tipp: Wer nur ein kürzeres Teilstück des Rundweges machen möchte, beginnt im Rabensteiner Dorf und wandert bis zum ehemaligen „Seehof“ talauswärts und wieder zurück. Infos zum Bunker Mooseum siehe Seite 102.

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