Franz Karl

Erzherzog Franz Karl, um 1825 (Quelle: commons.wikimedia.org)


Vor 190 Jahren

Erzherzog Franz Karl besucht das Passeiertal

Der Bothe von und für Tirol und Vorarlberg vom 8. Juli 1824, der damals einzigen Zeitung Tirols, berichtet über einen prominenten Besuch im Passeiertal: Erzherzog Franz Karl (1802 – 1872) hielt sich am 1. Juli 1824 anlässlich seiner Reise durch Tirol für kurze Zeit im Tal auf. Franz Karl war der Sohn von Kaiser Franz I. (1768 – 1835) und der Vater des späteren Kaisers Franz Joseph I. (1830 – 1916). Dem Regen zum Trotz brach der 21-jährige Erzherzog Franz Karl am 1. Juli von Meran ins Passeiertal auf, worauf sich der Himmel schon bald „erheiterte“.

Dem Erz­herzog erwartete ein feierlicher Empfang: „Das Knallen unzähliger Pöllerschüsse verkündeten die Ankunft des erhabenen Gastes, das ganze Thal war im Feier-Gewande gekleidet. Der Weg war überall mit vielen Bögen geziert, und die festlich gekleidete Schuljugend bedeckte die Straße, welche Seine kaiserliche Hoheit betrat, mit Blumen und Zweigen. Am Sande war die Schützen-Kompagnie von Passeyr unter Kommando des um die Vaterlands-Vertheidigung hoch verdienten Gerichts-Kassiers Johann Hofer aufgestellt; türkische Musik und allgemeiner Jubel empfieng den durchlauchtigsten Kaiser-Sohn. Die zurückgelassene Wittwe und drei Töchter des Andreas Hofer empfiengen Seine kaiserliche Hoheit, Höchstwelche vom Pferde zu steigen, und sich in das Wirthshaus am Sande begleiten zu lassen geruheten, wo Höchstdieselben beinahe eine Stunde mit der Familie des vom Monarchen und Vaterlande hochgeehrten ehemaligen Anführers der Vaterlandsvertheidiger Sich mit der huldvollsten und gnädigsten Herablassung unterhielt.“

Erst ein Jahr zuvor (1823) exhumierten Offiziere der Tiroler Kaiserjäger die Gebeine von Andreas Hofer in Mantua und brachten diese heimlich nach Innsbruck. Die sterblichen Überreste wurden daraufhin in der dortigen Hofkirche („Schwarz-Mander-Kirche“) beigesetzt.

Erzherzog Franz Karl reiste vom Sandhof weiter nach St. Leonhard, wo er „mit all­gemeinem Jubelrufe von dem Landgerichtspersonal, der Geistlichkeit und den Gemeindevorstehungen“ empfangen wurde und „Sich dieselben, so wie die ehemaligen, mit Wunden bedeckten Waffengenossen Andreas Hofers“ vorstellen ließ. Danach „geruhten Seine kaiserliche Hoheit im
Teißischen Wirthshause die eigens zube­reitete Alpenkost zu versuchen, und dann einige Gruppirungen, welche die Beschäftigungsweise und den Verkehr dieser interessanten und durch ihre Anhänglichkeit an das angestammte Herrscherhaus hoch berühmten Thal­bewohner darstellten, zu Augenschein zu nehmen. Die herablassende Herzensgüte, womit Seine kaiserliche Hoheit mit einem jeden einzelnen Landesschützen Sich zu unterhalten geruthen, bezauberte alle Herzen, und laut und feierlich wurde das Gelübde allgemein erneuert, für Oesterreichs Herrscherhaus zu leben und zu sterben.“
Um 15 Uhr reiste der Erzherzog über Schenna ab.

Der Abschluss des Berichtes scheint nun, nach so vielen Jahren, wieder aktuell zu sein: „Das Andenken an diesen Tag wird in Passeyer nicht verlöschen, und auf Kinder und Enkel sich fortpflanzen.“

Manfred Schwarz

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